Der Haselnussstrauch (Corylus avellana)

Dass die Gemeine Hasel zu den frühesten Frühjahrsblühern gehört, das ist hinreichend bekannt. In den letzten Jahren habe ich oftmals die ersten weiblichen Blüten noch in den letzten Dezembertagen des ausgehenden Jahres beobachten können. Sie sind zwar winzig klein, können aber mit ihrer auffälligen Farbe Pink besonders an tristen Wintertagen oder im Schnee unser Auge erfreuen. Die kleinen, büscheligen Blüten schauen vorwitzig den noch geschlossenen Zweigknospen heraus und erscheinen lange vor dem Laubaustrieb.

Die Blüten beider Geschlechter sitzen bei der Hasel auf demselben Strauch (das nennt man einhäusig). Die männlichen Blüten sehen völlig anders aus und sind in zahlreichen hängenden Kätzchen angeordnet. Zu Anfang sind sie noch fest geschlossen und wirken wie kleine Würstchen. Später öffnen sie sich zu 8-10 cm langen Anhängseln. Die Hasel ist windblütig: das heißt, die reifen männlichen Kätzchen entlassen schon beim geringsten Windhauch gelbe Wölkchen aus Blütenstaub in die Welt, der dann die weiblichen Blüten bestäubt.

Allergiker können ein Lied davon singen, denn ähnlich wie auf den Blütenstaub der Birke (die Hasel gehört übrigens auch zu den Birkengewächsen!) reagieren viele Menschen mit Niesen, tränenden Augen oder gar Asthma darauf. Oftmals reagieren Menschen mit einer Birkenpollenallergie auch allergisch auf den Verzehr von Haselnüssen.

Die hartschaligen, von einer zerschlitzten Hülle becherartig umgebenen Früchte sind aufgrund ihres hohen Fett- und Eiweißgehaltes nicht nur für uns Menschen ein beliebtes Nahrungsmittel.  Sie enthalten etwa 60% Fett und immerhin 20 % Eiweiß und außerdem neben Vitamin B1  und B6 noch Magnesium, Kalzium, Eisen und Kupfer. Auch Wildtiere wie Eichhörnchen, Mäuse, Spechte oder Bilche wie die Haselmaus (Name!!!) lieben deshalb Haselnüsse. Und dabei hat jeder von ihnen eine spezielle Technik entwickelt, um an den kostbaren Inhalt heranzukommen und manche Tiere legen sogar Wintervorräte damit an.

 

Weil die Gaben der Natur den Menschen nicht immer gut genug sind, hat man die Hasel auf dickere Nüsse gezüchtet. Die im Handel erhältlichen Haselnüsse stammen daher meist nicht von der gemeinen Hasel, sondern von der südosteuropäischen Lamberts-Hasel (corylus maxima), deren rotblättrige Variante unter der Bezeichnung „Bluthasel“ unsere Gärten und Parkanlagen schmückt oder von der Baumhasel (Corylus colurna).

Haselsträucher sind bei uns in Mitteleuropa weit verbreitet und kommen in Wäldern, an Waldrändern und Feldrainen vor, wo sie besonders auf sonnigen oder halbschattigen Standorten bis in Höhen von ca. 1.400m wachsen. Sie werden im Regelfall 2-6 Meter hoch und können ein Alter bis zu 100 Jahren erreichen.

Der Haselstrauch hat ähnlich wie die Weide eine enorme Fähigkeit wieder Auszuschlagen. Auf den Stock zurückgeschnitten, treiben im Lauf des Jahres lange biegsame Zweige aus. Früher nutzte man diese Gerten um Zäune zu flechten, baute daraus Schlingfallen und Korbbügel.

Ein alter Besenmacher erzählte mir einmal, dass das Holz der Hasel selbst in trockenem Zustand so gut wie nie in Querrichtung brechen kann – sich aber sehr gut in Längsrichtung spalten lässt. Dies macht das Holz sehr flexibel aber dennoch stark belastbar. Kein Wunder, dass man stärkere Äste aus Haselholz früher für die Herstellung von Spazierstöcken und sogar Armbrustbögen verwendet hat.

Im alten Volksglauben gilt ein Zweig der Haselnuss als Zauber und Unheil abwehrendes Mittel. Traditionell sind Wünschelruten aus einer Haselzweiggabel gemacht, da Sie die Energie besonders gut leiten und sich damit Wasseradern, Erzgänge und verborgene Schätze finden lassen.

Dem Haselstrauch sagt man auch magische Kräfte nach. In vielen Märchen findet er Erwähnung. So pflanzt Aschenputtel einen Haselstecken auf dem Grab der Mutter, wo er zu einem Baum heranwächst der ihr die Zauberkleider und die Schuhe für den abendlichen Ball mit dem Prinzen schenkt.

Auch soll zwischen den Wurzeln der sagenhafte Haselwurm oder eine weiße Natter zu Hause sein. Man muss zu ganz bestimmten Zeiten unter Einhaltung geheimer Rituale danach graben, um das mythische Tier zu finden. Wer von seinem Fleisch isst, „wird alles lernen, was es sieht oder hört, gar nichts ausgenommen, es hat völlige Erkenntnis von allem, wird unsichtbar, kennt alle Kräuter und zu was sie gut sind, ist vor Hagel und bösen Geistern geschützt, heilt alle Wunden und hat zu allen Dingen und Werken Glück (es darf aber nichts Schlechtes sein).“

Die Haselnuss gilt auch als Sinnbild der Wollust und der Fruchtbarkeit – vielleicht, weil sich unverheiratete Pärchen früher bevorzugt unter den Haselbüschen am Waldrand zu einem Schäferstündchen trafen. Daher rührt wohl auch die Redewendung „in die Haseln gehen“. Und hatte so ein Stelldichein dann Folgen, so sind die Kinder eben „aus der Hasel entsprungen“…

Achtet bei eurem nächsten Spaziergang mal darauf – wächst bei euch in der Nähe auch ein Haselbusch…?

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