Ein Bussard im Garten? ;-)

Ob das wirklich ein Bussard ist, der da in meiner abgestorbenen Weymouth Kiefer sitzt am Ende des Gartens? Nein – tatsächlich ist es ein Eichelhäher (Garrulus glandarius), der hier die Rufe eines Mäusebussards imitiert. Als ich die Rufe so nah vor meinem Fenster hörte, bin ich doch mal gucken gegangen, weil sich bisher noch nie ein Mäusebussard in meinen Garten verirrt hat…

Stellt mal den Ton etwas lauter, dann könnt ihr hören, was der Vogel hier macht, während er sich ganz entspannt putzt. Wir sind hier im Offenbacher Innenstadtbereich. Dieser gefiederte Freund ist bekannt für sein Repertoire an Liedern und Rufen anderer Vogelarten – aber auch für seine Wachsamkeit und dafür, dass er mithilft unsere Wälder aufzuforsten. Dass er tatsächlich zu den Singvögeln gehört, das traut man ihm gar nicht zu. Aufmerksame Naturbeobachter können ihn zu manchen Zeiten im Jahr aber auch ganz leise, zärtlich und glucksend singen hören…

Ein Bussard im Garten? (link führt zu unserem youtube Kanal)

Orchideen in Offenbach

Mit dem Begriff Orchidee verbinden wir oft das Bild bunter, exotischer Blühpflanzen die nur mit aufwändiger Pflege im Klima tropischer Gewächshäuser gedeihen. Dass es auch in Deutschland in freier Wildbahn einheimische Orchideenarten gibt, das ist vielen Menschen gar nicht bekannt. Und hättet ihr gedacht, dass auch in Offenbach welche wachsen?

Auf dem ersten Bild seht ihr die Pyramiden-Hundswurz (Anacamptis pyramidalis) auf der ein Beilfleck-Rotwidderchen (Zygaena Loti) sitzt. Beide lieben sonnigen Kalkmagerrasen – und wer hätte das gedacht: auch solch ein Biotop hat Offenbach zu bieten. Ich besuche den Standort seit mehr als 10 Jahren und konnte zu meiner großen Freude feststellen, dass es immer mehr Pflanzen werden und auch dieses Jahr haben sie sich auf der naturbelassenen Wiese immer mehr ausbreiten.

Auch an anderen Orten am Rande des Offenbacher Lohwaldes sind wilde Orchideen zu finden. Ich habe hier vor einigen Jahren das Weiße Waldvöglein (Cephalanthera damasonium)  entdeckt. Auch eine Sommerwurz Art wächst auf dem kalkhaltigen Boden am Fuße des Schneckenberges. Die Sommerwurzen (Orobanche) könnte man vom Erscheinungsbild her auf den ersten Blick auch für Orchideen halten – es sind aber keine. Sie sind sogenannte Vollschmarotzer (Holoparasiten), die sich über die Wurzeln anderer Pflanzen ernähren. Es sind Pflanzen fast ohne Chlorophyll, die eigentümlich farblos und fleischig wirken. In Deutschland kommen etwa 26 Arten vor und die meisten von ihnen sind selten. Sommerwurz Arten besitzen oft eine sehr enge Wirtsbindung, d.h., dass sie meist nur eine einzige Pflanzenart befallen. Ohne diese Wirtspflanze könnte sie nicht leben. Alles ist miteinander verbunden…

Aber nun zurück zur prächtigen Pyramiden-Hundswurz. Die purpurne Farbe ist so intensiv, dass sie sich kaum angemessen fotografisch wiedergeben lässt. Die alte Streuobstwiese, wo diese Pflanzen wachsen ist Lebensraum für unzählige Vogelarten. Dort, in den umgebenden Hecken und in den angrenzenden Wald brüten neben den üblichen Verdächtigen wie Amsel, Singdrossel, Zilpzalp, Kohl- und Blaumeise, Goldammer, Stare und Buchfink, Buntspecht, Mittelspecht, Kleinspecht, Grünspecht und Schwarzspecht. Rabenkrähe, Eichelhäher und Elstern sind ebenso zu sehen wie auch seltenere Arten wie Nachtigall, Neuntöter und Kernbeißer. Eine Waldschnepfe war auch schonmal auf der Durchreise zu Besuch.

Es gibt in jedem Jahr einen Ameisenhügel der großen Wiesenameise. Etwas weiter entfernt im Wald hinter der Käsmühle lebt ein Kolkraben Paar, das sich auch ab und zu blicken und vor allem hören lässt. die Markanten, kehligen Rufe sind unverwechselbar. Mäusebussarde und Turmfalke und Schwalben jagen oft und gerne auf der Wiese. Der Habicht ist auch da – allerdings zeigt er sich nur selten und nur die Vogelalarme verraten seine Anwesenheit.

Zaun- und Waldeidechsen sonnen sich auf den Steinhügeln und abends in der Dämmerung, übernehmen Fledermäuse und der Waldkauz das Jagdrevier der Tagtiere.

Rehe legen dort manchmal ihre Kitze ab. Wildschweine wechseln hier vom Wald  auf die gegenüberliegenden Felder und zurück. Im Herbst machen sie sich über die heruntergefallenen faulenden Äpfel her. Der Fuchs liegt an warmen Wintertagen hier gerne in der Sonne und den Rest des Jahres jagt er hier Mäuse. Nach dem Feldhasen kann man die Uhr stellen – er kommt fast immer zur gleichen Uhrzeit früh morgens und in der Dämmerung Abends und genießt die feinen Wildkräuter.

Leider beobachte ich in den letzten Jahren vermehrt unbedachte Hundehalter, die auch während der Brut- und Setzzeit ihre Hunde frei auf der Wiese laufen und (entschuldigt die Wortwahl) hinscheißen lassen ohne die Hinterlassenschaften ihrer Lieblinge zu entsorgen.  Regelmäßig sammle ich haufenweise Müll ein. Gerade vor ein paar Tagen eine gefledderte Tüte Verpackungen eines Fastfood Restaurants. Das macht mich traurig und wütend. Seit der Corona Pandemie scheint es noch schlimmer geworden zu sein. Verständlicherweise zieht es die Menschen gerade jetzt Raus in die Natur und es ist an sich ja ein positiver Trend, dass sie die Natur wieder als heilsamen Ort für sich entdecken. Aber es hat auch die unschöne Seite. Noch nie habe ich selbst an abgelegenen Stellen im Wald so viele benutzte Papiertaschentücher, Mund-Nase Masken und sogar Einweg-Handschuhe gefunden. Solch ein Verhalten trägt nicht gerade dazu bei die Krankheit einzudämmen. Vom Abfall ganz zu schweigen. Da sind wir wohl noch weit entfernt vom nachhaltigen Denken. Es scheint, die Natur wird nur für den eigenen Zweck, die schnelle Flucht aus den eigenen 4 Wänden „benutzt“.  Eine wirkliche Naturverbindung wird nicht aufgebaut, Natur ist nur ein weiterer Schauplatz der eigenen Selbstverwirklichung ohne Rücksicht auf andere (Menschen und Tiere).  Wären irgendjemanden die Orchideen und all die anderen Dinge, die ich erzählt habe aufgefallen? 

Der Zweck des Vereins erdwissen e.V. ist die Förderung des Naturschutzes im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes und der Naturschutzgesetze der Länder sowie des Umweltschutzes. Es soll das naturkundliche Wissen als auch die aktive Wahrnehmung der Natur gefördert werden. Denn nur was man kennt kann man schützen. Unser Anliegen ist es, die Menschen wieder zur einer Wahrnehmung der natürlichen Welt (deren Teil sie ja sind!) zu bringen, die tiefe Naturverbindung entstehen lässt.

Es liegt noch viel Arbeit vor uns…

 

Baumleute

In einer Großstadt wie Offenbach mit fast 130.000 Einwohnern ist es dieser Tage nicht so ganz einfach, Zeit draußen in der Natur zu verbringen – und trotzdem die nötige Distanz zu anderen Menschen zu wahren. So habe ich mich gestern auch notgedrungen ins Auto gesetzt und bin einige Kilometer „ins Grüne“ gefahren. Das mit der Distanz zu anderen Menschen hat auch ganz gut geklappt – ich habe  tatsächlich nur einen einzelnen Mountainbiker und zwei Waldarbeiter getroffen.

Stattdessen sind mir aber unerwartet viele Baumleute begegnet. Schaut mal hier – sehr ihr sie auch?

Wir verraten euch jetzt mal ein Geheimnis – es gibt viel mehr dieser Baumwesen, als ihr vielleicht glaubt. Eigentlich kann man sie an jeder Ecke treffen – sogar in der Stadt. In Vorgärten, Parks, auf den grünen Friedhöfen, an Straßenalleen und natürlich im Wald. Haltet doch einfach mal die Augen offen – ihr werdet erstaunt sein…und fragt die Kinder – die kennen ganz sicher welche!

Und wenn ihr so ein Wesen entdeckt – dann teilt das gerne mit uns und den anderen mit einem Bild über unsere erdwissen facebook Seite

Wir sind schon ganz gespannt!

Baumperlen

Nachdem ich in den letzten Wochen ungewöhnlich viele Baumperlen gefunden haben – und mir diese von den Bäumen auch „geschenkt“ wurden, scheint mir das ein Fingerzeig, doch mal einen älteren Beitrag aus dem Archiv zu kramen und mit euch zu teilen.

Hier entlang zu den zauberhaften Baumperlen

Zum Beispiel die herzförmige, schwarz/weiße hier – oder die Baumperle auf dem ersten Foto in der Mitte. Nach dem „Schälen“ behielt sie ihre wunderschöne orangefarbene Tönung. Diese Farbe kann man auch an frisch geschnittenem Erlenholz beobachten. Und in der Tat war diese Baumperle das Geschenk einer großen Erle, die im Spessart neben einem Fischteich wächst.

Wie ihr seht, gibt es solche kugeligen Dinger in allen Größen und Formen. Diese Auswüchse bilden sich am Baum, wenn dieser eine Verletzung der Rinde ausheilt oder einen Fremdkörper abstößt. Deshalb schreibt man den Baumperlen auch magische Heilkräfte zu. Wenn der Baum den Heilungsprozess abgeschlossen hat,  fällt die Baumperle irgendwann von selbst ab – oder lässt sich ganz leicht ablösen, ohne dass man irgendwelche Hilfsmittel benutzen muss.

Bitte beachtet dies unbedingt, wenn ihr selbst Baumperlen suchen und sammeln wollt. Deswegen sehe ich jede einzelne Baumperle auch als Geschenk, denn nur wenn sie „reif“ sind und der Baum sie freiwillig und ohne sich zu sträuben hergibt, dann (und nur dann!) nehme ich sie mit. Behandelt die Bäume und ihre Gaben immer mit Respekt.

 

Portrait :: Kornblume (Centaurea Cyanus) ::

An dieser Stelle möchten wir Euch in loser Folge Pflanzenwesen, Baumleute, Vogelfreunden oder andere Tiere vorstellen. Heute ist die hübsche Kornblume an der Reihe.

Kornblume (Centaurea Cyanus) aus der Familie der Korbblütler

Eines der bekanntesten Märchen von Hans Christian Andersen – Die kleine Meerjungfer- beginnt mit den folgenden Worten: „Weit draußen im Meere ist das Wasser so blau wie die Blütenblätter der schönsten Kornblume…“

Dies zeigt, wie sehr die Farbe der Kornblume im Bewusstsein der Menschen verankert ist – oder war, muss man leider sagen. Vor 30, 40 Jahren gehörten sie noch zu jedem Getreidefeld. Als Getreideunkraut angesehen und entsprechend stark bekämpft ist der Anblick der Kornblume an den Feldrändern heutzutage leider selten geworden. Kaum eine andere Blume zeigt solch ein intensives Blau. Dies sagt auch der wissenschaftliche Artname „Cyanus“ aus. Es ist auch gar nicht so einfach, ihre natürliche Farbe in Fotografien einzufangen. So schön, wie draußen im Feld sieht das einfach nie aus…

Die Kornblume wächst 20- 90 cm hoch auf einem kantigen, weich behaarten Stängel. Die Blätter sind graugrün, lang und schmal (höchsten 5mm breit). Die Blütenstände bestehen aus großen blauen, glockenartig vergrößerten Randblüten und violetten Scheibenblüten. Die Blütezeit ist Juni bis September. Die Früchte besitzen einen Haarkranz, was die Verbreitung durch den Wind erleichtert.

Die Pflanze stammt ursprünglich aus dem östlichen Mittelmeergebiet und verbreitete sich zusammen mit dem Getreideanbau auf der ganzen Welt. In Pfahlbautenresten aus der Bronzezeit hat man Kornblumenfrüchte nachweisen können – sie ist seit der jüngeren Steinzeit ein Kulturbegleiter des Menschen.

Mit den blauen Blütenköpfen hat man früher Speisen gefärbt. Dennoch genoss die Kornblume ehemals in der bäuerlichen Alltagswelt keinen guten Ruf, denn es herrschte der Aberglaube, dass die Blüten alles Brot im Hause zum Schimmeln bringen, wenn man die Blumen hereinholt…also gehören Kornblumen eigentlich in keinen Bauernblumenstrauß!

Heilwirkung: Die Blüten enthalten angeblich Wirkstoffe, die zu verstärkter Harnausscheidung führen und gegen Verdauungstörungen wirken. In der Volksmedizin wurden sie früher zur Fiebersenkung, bei Menstruationsbeschwerden  und eben als harntreibendes und schleimlösendes Mittel verwendet. Auch ging man davon aus, dass die Blütenwirkstoffe die Funktion von Leber und Galle anregen. Die Kommission E (selbstständige, wissenschaftliche Sachverständigenkommission für pflanzliche Arzneimittel Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte in Deutschland ) bewertet die Anwendung als negativ = wirkungslos. Gegen die Verwendung als Schmuckdroge (z.B. als Farbtupfer in Kräutertees) bestehen keine Bedenken.

Wasser ist Leben!

Morgen steht uns der voraussichtlich heißeste Tag des Jahres bevor und die Aussichten für die kommende Zeit lassen weiterhin auf sommerliche Temperaturen mit wenig Niederschlag schließen.  Denkt bitte daran, dass die meisten Tiere da draußen dann keinen direkten Zugang zu Wasser mehr haben – insbesondere bei all den versiegelten und zubetonierten Flächen hier in der Stadt.

Dabei könnt ihr Ihnen – und insbesondere den gefiederten Freunden ganz einfach helfen.  Ihr braucht dazu nur einen etwas größeren Blumentopf – Untersetzer aus dem Baumart oder eine andere flache Schale. Wichtig ist, dass sie einen flachen Boden hat und außerdem standfest ist.

Da auch viele Insekten auf Wasser angewiesen sind und dieses auch aufsuchen ist es wichtig, dass ihr in die Schale auch noch ein paar flache Steine legt, damit die Insekten wieder herausklettern können, wenn sie im Eifer des Überschwangs hineingefallen sind.

Auch sollte das Gefäß nicht gerade in der prallen Sonne stehen – das fördert die Keimbildung, denn die Vögel trinken nicht nur, sondern baden auch gerne im Wasser. Damit sich die Vögel sicher fühlen, sollten sie vom der Wasserstelle aus freie Sicht haben und sich bei Bedarf aber auch in den Schutz naher Sträucher oder eines Gebüschs zurückziehen können – als Schutz vor Beutegreifern aus der Luft. Wenn Ihr Katzen in der Nähe habt, dann könnt ihr die Wasserstelle aber auch auf dem Balkon oder etwas erhöht aufstellen, wenn ihr sie dort katzensicher und wackelfest befestigt. Eine Wasserstelle am Boden hat den Vorteil, dass auch Vierbeiner wie Igel, Mäuse, Marder und andere Kleinsäuger davon profitieren. Das Eichhörnchen hingegen schafft es bei mir auch bis hoch auf die Terrasse. Wie ihr seht, ist es bei mir auch nicht ganz ideal mit der Rundumsicht – es wird aber trotzdem gut angenommen (der link bringt euch zum erdwissen youtube Kanal):

Leben an der Vogeltränke 28./29.06.2019

Vogeltränken müssen regelmäßig gereinigt werden – es genügt nicht, dass sie vom Regenwasser ab und zu durchgespült werden. Insbesondere die Ringeltauben haben bei mir die Angewohnheit, durchaus in der Tränke zu sitzen und erleichtern sich da auch ganz gerne.  Um die Verbreitung von Krankheiten zu vermeiden, sollte was Wasser mindestens täglich gewechselt werden. Ich wechsle das Wasser morgens und am Nachmittag. Mit einer alten Nagelbürste (die nur dafür bestimmt ist) schrubbe ich die Schale unter fließendem heißen Wasser (ohne Reinigungsmittel!) auch immer kurz aus. Das bisschen Arbeit ist die Mühe wert wie ich finde.

Ist es nicht ein beglückender Anblick, der tropfnassen Elster beim genussvollen Baden zuzusehen?

 

 

Natur Erlebnis Tag März 2019 entfällt

Das sich für heute 02.03.2019 (Faschingssamstag) niemand zum Natur Erlebnis Tag angemeldet hat, entfällt der Termin. Habt viel Spaß bei den Faschingsumzügen…

Als kleines Ersatzprogramm gibt es die Nachlese vom Februar 2019. Wir hatten richtig viel Spaß im Schlamm und mit tierischen Hinterlassenschaften unterschiedlichster Art…

Die Frage, von welchem Tier die grünlichen, kleinen Kotpillen wohl stammen, sind die Teilnehmer nach Hause gegangen und wollten weiter recherchieren. Gemeinsam hatten wir festgestellt:

  • dunkelgrün, fast schwarze Farbe  („sieht aus wie Kapern“…)
  • glänzend
  • riecht etwas nach frisch gemähtem Rasen
  • etwa 1 cm lang, 0,5  cm dick, länglich
  • Inhalt: Pflanzenreste

Noch am gleichen Abend kam per E-Mail die Antwort: Das ist Losung vom Reh.

Was denkt ihr?

Unser nächster Natur Erlebnis Kurs am Schneckenberg finden dann wieder im Mai statt (04.05.2019) – am ersten April Wochenende sind wir wieder am Langener Waldsee beim Freiluft Testival von Globetrotter zu finden.